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Wonderwall- wenn Frau aus der eigenen Geschichte lernen muss!

Da myblog.de für vierzehn Tage nicht erreichbar war, konnte ich mich ganz und gar auf die größeren und kleineren Probleme der Eintopffamilie kümmern. Kaum hatte sich das Haus für zwei Tage geleert, musste ich die große Tochter, mit einem neuen Killergrippevirus infiziert, von der Schule abholen, was sie mir damit dankte, dass sie, kaum vor der Apotheke geparkt, den Inhalt ihres Magens direkt aus der Autotür auf den Gehweg sturzbachgleich sprudeln ließ! Wow, Kleinststadt, heller Vormittag und Winterschlussverkauf, ein knallgelbes Cabriolet und eine kotzende Tochter, die rothaarig und weißgesichtig an die Protagonisten von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" erinnerte.
Am Abend kam dann mein Göttergatte mit dem gleichen Virus heim, außer sich, überlichtempfindlich, drehschwindelig, mit übelsten Kopfweh und hohem Fieber. Somit lagen wieder zwei von sieben für eine Woche flach! Dazu kam die wirklich spektakulär schlechte Mathenote unserer Mittleren! Bis zu dem Moment hatte ich den Rekord in Matheunfähigkeit gehalten, musste dann aber voller Entsetzen den Pokal an sie weitergeben. Ich lege nicht viel wert auf Noten- aber in der zehnten Klasse, kurz vor der mittleren Reife macht einem jungen Menschen so eine Note schon mal das Leben schwer! Dazu kam, das unser bildhübsches aber (abgesehen von Kosmetik, Instagramm, Mode und Musikvideos) vollkommen hobbyloses Pubertierchen auch keinen Plan B für den Fall der Nichtversetzung hatte und auch ausbildungsmäßig noch völlig uninspiriert durch den Februar wandelte.
Nur zu bekannt kam mir das alles vor, wo doch auch ich die mittlere Reife auf einem Gymnasium nur bekommen hatte, da die Lehrer mir einen Deal angeboten hatten, den ich nicht ausschlagen konnte. Anstatt Französisch fünf und Mathe fünf gabs in Französisch eine Vier- wenn ich endlich das altehrwürdige Gymnasium verlasse! Planlos fing ich eine Friseurlehre in den Sommerferien an in der Hoffnung später Maskenbildnerin zu werden! Als ich erfuhr, das die Privatschule dafür 15000 DM kostet, schmiss ich Kamm und Schere und meldete mich am kaufmännischen Berufskolleg 1 an! Eigentlich total sinnfrei, aber wie meine Mutter zu sagen pflegte: "Weg von der Strasse." Allerdings wurde mir in diesem Jahr klar, dass das kaufmännisches Denken und die dazugehörigen Schulfächer mir leicht fielen und der respektvollere Umgangston meine Grundeinstellung zum Lernen massiv beeinflusste. Also ging ich nach dem "Selbstfindungsjahr" auf das ortsansässige Wirtschaftsgymnasium, welches ich zum großen Erstaunen aller, mit einem recht ordentlichen Abitur verließ! Meine Mutti rat mir dann allerdings wehement von einem Studium ab! "Du musst was lernen, wer weiß, wie lang ich noch für dich da sein kann!" Der dazugehörige schicksalsschwere Gesichtsausdruck mit den feuchten, eh schon wässrig blauen Augen und die Tatsache, dass meine Mutter dreiundvierzig Jahre älter war als ich, ließen mich pflichtbewußt eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolvieren! Im nachhinein wertvoll fürs Leben aber als Beruf für mich untragbar! Ab da schlug mein Berufsleben Kabriolen in jeder Farbe und Form! Vom Depot (Lebebsmittelgeschäft) zum Aldi, zur Mehrfachmutter, zur Altenpflege, zur Pflegemutter, zur freischaffenden Künstlerin, zur Zeitungsbotin, zur Servicekraft, zur spielpädagogischen Reittherapeutin............und ich wurde immer zufriedener!
Ach und Muttis angedrohter früher Tod kam doch später als befürchtet. Zumindest bedrohte er meine dreiundvierzigjährige Existenz nicht mehr! Trotzdem trage ich ihr nicht nach, mich von so manch spannender beruflichen Entwicklung abgehalten zu haben, da mir alles, was ich je getan habe heute wertvoll erscheint! Es hat mich zu dem gemacht, was ich bin-
ZUFRIEDEN!

Mit all diesen Gedanken im Kopf besuchte ich mit unserem Mathemiesling wiederwillig die Erzieherinnenschule am Infotag! Uns war brainstormingmäßig eingefallen, dass sie als einzige wirklich große Leidenschaft unseren Zwerg, unseren jüngsten Pflegesohn hatte, den sie für ihr Leben gern bespielte, mit ihm sang, mit ihm die Welt entdeckte, mit ihm malte.....und das alles konnte sie intuitiv wirklich sehr gut.
Für mich war die Vorstellung sowohl im Beruf wie auch zuhause von Kindern umgeben zu sein, mein Leben auf Zwergenstühlen an Zwergentischen mit pädagogisch wertbedenklichen Vorschulspielen zu verbringen und als Zielscheibe für die grenzenlosen elterlichen Vorstellungen zu dienen, erschreckend! Zuviel Zeit hatte ich als Mehrfachmutter im Elternbeirat, Elternkaffee, Elternfasnetsbastelgruppe usw. verbracht, um nicht kinditraumatisiert zu sein.
Schon beim Betreten des Schulgebäudes erklangen Gitarre, Keybord und Chorgesang.....aber nicht irgendwelche Kindigesänge in hohen und noch höheren Tönen sondern Songs aus den Top Ten!!!! Wow! Und dann watschelte ich hinter meiner Tochter die Treppe hinauf, Stufe für Stufe mit Sternen verziert. Ich bekam Gänsehaut, die von der wohligen Sorte! Überall saßen, hockten, standen entspannte, hübsche, junge Menschen! Es gab Kuchen, Kaffee und eine gemütliche Sitzecke! Sowohl die engagierten Schüler wie auch herzliche Lehrerinnen nahmen uns freundlich und offen wahr und erläuterten uns den Ablauf der Erzieherinnenschule sowie die Möglichkeiten. Aus dem Augenwinkel sah ich unsere Tochter strahlen! Hier wäre Raum für ihre Kreativität, ihre psychologischen und pädagogischen Interessen, für ihre Malerei, ihren Gesang und ihr Talent, mit einer wortlosen Umarmung zu trösten!
Nun war es an mir, aus meiner Lebenserfahrung zu schöpfen! Da gab es die Hälfte in mir, die gelernt hatte, um wieviel entspannter Leben ist, wenn am Monatsende noch Geld übrig ist und wie kräfteraubend es sein kann, mit den Münzen balancieren zu müssen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Diese Hälfte wusste auch was es mit dem Selbstwert und der Außenwirkung macht, viel zu können aber nichts davon bescheinigt und zertifiziert erlernt zu haben. Diese Hälfte wusste auch, wie anstrengend ein Rudel Kleinkinder sein kann, und wie erschöpft und ausgesaugt Frau nach einem Tag mit den kleinen Nimmersatt sein kann, was dann durch die Tatsache kein Geld für den Wellnesstempel oder das Kerzenscheindinner übrig zu haben, nicht leichter wird. Die Hälfte eben, die immer will, das es den Knndern später noch besser geht, sie es noch leichter haben, sie aus dem Vollen schöpfen können.....!
Aber da war auch die andere Hälfte!! Die Hälfte mit den bunten Klamotten, den Pinseln hinterm Ohr, dem dampfenden Eintopf auf dem Herd, der lachenden Meute um sich herum, dem Zirkus voller Narren und mit den tausend Liedern, tausend Reimen und tausend Träumen im Kopf. Die Hälfte, die sich in den strahlenden Kinderaugen sieht, wenn sie das erste mal vom Pferderücken aus auf die Welt blicken und die Hälfte, die bis heute erstaunt und verzückt auf die kleine Kinderhand in ihrer blickt! Die Hälfte, die aus allem noch ein warmes Essen für alle basteln kann, die, deren Kreativität und Lebensfreude maßgeblich aus dem Leben mit vielen Kindern schöpft!

Als meine erzieherisch wertvolle Mittlere dann Arm in Arm mit mir beim Chor stand welcher Wonderwall sang, stiegen warme Tränen der Erkenntnis in mir hoch und lächelnd, mit verwässertem Blick sah ich mein Zauberwesen neben mir.....wortlos mit dem gleichen feuchten Blick!
Was auch immer ihr Weg ist: Hauptsache sie ist irgendwann zufrieden!!!

Jetzt, eine Woche später, hat sich ein gelassener und geduldiger Mathenachhilfelehrer gefunden, ein Kindergarten hat für das Praktikantenjahr zu gesagt und die Dinge nehmen ihren Lauf!
Ach ja, und meine Virusschleudern sind endlich auch wieder aus dem Haus! Da bleibt endlich wieder Zeit................mich dem nächsten umverhofften Chaos zu stellen! Aber das garantiert- neue Eintopfgeschichten!


WONDERWALL ÜBERSETZUNG

Heute wird der Tag sein
An dem man es Dir berichten wird,
Inzwischen sollte es Dir irgendwie
Klar geworden sein, was Du zu tun hast
Ich glaube nicht, dass irgendjemand
Dasselbe fühlt wie ich, für Dich

Auf den Straßen geht das Gerücht um,
Dass das Feuer in deinem Herzen erloschen ist
Ich bin sicher, Du hast das alles schon gehört
Aber hattest doch nie wirklich Zweifel
Ich glaube nicht, dass irgendjemand
Dasselbe fühlt wie ich, für Dich

Und alle Wege
Die wir zu gehen haben, sind voller Kurven
Und all die Lichter, die uns dorthin führen
Blenden uns

Es gibt so viele Dinge
Die ich Dir gerne sagen möchte
Aber ich weiß nicht wie


Denn vielleicht
Wirst Du Diejenige sein, die mich rettet
Und schließlich bist Du mein Zauberwesen

Zum Original Songtext von Wonderwall
derwall:
15.2.17 14:48
 
Letzte Einträge: Guten Morgen....Lichtblicke aus der Quarantänestation


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